Sep 30 2011

Noch 2,195 Tage

Ich atme ein. Und wieder aus. Juister Inselluft. Ohne Autoabgase. Pure Kurluft. Die einen platt macht. Frischluft ohne Ende. Jod. Salz. Algen. Warmer Sand. Alles riechbar.

Nichts als frische Luft

Nichts als frische Luft

Alles wunderbar. Alles Schnee von gestern. Denn leider ist die Zeit auf Juist schon wieder rum. Gestern Nachmittag ging unsere Fähre zurück auf´s Festland. Den Vormittag haben Nadine und ich es uns natürlich noch gut gehen lassen. Einen langen Spaziergang am Strand eingelegt und nochmal die Stille auf uns wirken lassen. Die kaum vorhandene Wasserbewegung beobachtet.

Stille Wasser sind tief(enentspannend)

Stille Wasser sind tief(enentspannend)

Sonne getankt. Und ich habe die Zeit genutzt, um nochmal Kraft zu sammeln. Positive Energie für Sonntag. Die Vorfreude zu bündeln und den Druck in ein wohliges Einstimmen umzuwandeln. Ich bin nämlich angespannt. Angespannter, als ich es vielleicht zugeben mag. Ich bin aufgeregt und habe eigentlich keinerlei Vorstellung, wie der Sonntag wirklich wird. Wie ich den Lauf verkrafte. Was die letzten zehn Kilometer, die ich im Training nicht absolviert habe, auf mich wirken werden. Werde ich denken, ach komm, einfach weiter, die Zeit ist egal. Einfach ankommen und die Stimmung aufsaugen? Oder werde ich immer verkrampfter, will doch noch unter 4:30h bleiben und schade damit nur mir selbst? Werde ich den Lauf ohne Schwindelanfälle schaffen? Wird es fast schon zu warm, bei diesem goldenen Herbstwetter? Werden die Trinkstationen ausreichen? Schaffe ich zu trinken, ohne alles zu verschütten? Muss ich sogar kurz dabei gehen, oder vergeude ich dann wertvolle Zeit? Packe ich das wirklich?

Blauer Himmel - auch am Sonntag

Blauer Himmel - auch am Sonntag

Einatmen. Ausatmen. Tief Luft holen. Das Wasser beobachten. Ruhig werden. Den Möwen zuhören und dem leisen Meeresrauschen. Die Minibrise Wind um die Nase spüren. Die Beine ausruhen. Ich versuche mir die ganze Zeit einzureden, dass das gar nichts Besonderes ist. Einfach nur 42,195 Kilometer. Bei den 32 Trainings-Kilometern habe ich mich auch nicht so verrückt gemacht. Die lange Trainings- und Wartezeit gibt einem aber auch viel Gelegenheit, viel nachzudenken. Die Gedanken spinnen zu lassen. Sich wahnsinnig verrückt zu machen. Nein, der Marathon muss nicht perfekt werden. Er soll einfach nur eine Etappe sein. Nicht das einzig wahre Ziel. Eine Etappe in meinem Leben. Wir sollen Freunde werden. Die sich einmal begegnen und danach nur noch von weitem grüßen. Sich gut in Erinnerung behalten. Sich schätzen.

Mails und guter Zuspruch

Mails und guter Zuspruch

Im Moment trudeln bei mir immer mehr Mails und SMS ein. “Viel Erfolg!”, “Ich denke am Sonntag an Dich!”, “Du schaffst das!” – und mein Lieblingssatz: “Schmerz geht. Stolz bleibt.” Ich bin wirklich fasziniert vom Zuspruch und der Aufmerksamkeit. Dass Freunde – auch wenn ich momentan gar nicht so viel mit ihnen zu tun habe – mitfiebern und mir die Daumen drücken. Hinterher wissen möchten, wie es war. Gewesen sein wird. Noch zwei Tage. Zweimal schlafen. Hoffentlich tief und fest und ohne Alpträume.

Tschüss, Strand

Tschüss, Strand

Seit gestern Abend sind wir nun nicht mehr auf der Insel. Keine Strandläufe mehr. Keine Handstandstunden, die mir lustigen Muskelkater im gesamten Körper veranstalten. Mein Rückenstrecker, meine Achseln, sogar mein Hals, mein Hintern, meine Handgelenke. Keine Schmerzen. Nur leichter Muskelkater. Hoffentlich kann meine Physiotherapeutin heute um die Stellen drum herum massieren, um meine Verspannungen zu lösen. Sonst wird´s fies. Wo kann ich eigentlich in Köln Hand- und Kopfstand üben? Das war spaßig. Das will ich besser können. Auf der Wiese tut das bestimmt mehr weh, wenn man sich unabsichtlich hinlegt. Ich werde mich nächste Woche mal auf die Suche machen. Eine schöne Stelle zum Rumtoben. Man sollte viel mehr toben.

Abschiedstee Waldfrucht-Erdbeere

Abschiedstee Waldfrucht-Erdbeere

Gestern stand also kein Training an. Gestern war Ruhe- und Reisetag. Nach einem letzten Tee mit unserer Inseltruppe ging es mit der Fähre von Juist nach Norddeich.

Juister Segelclub am Hafen

Juister Segelclub am Hafen

Fähre zum Festland

Fähre zum Festland

Und dann nach einem letzten Fischmahl mit dem Zug zurück ins Großstadtgetümmel.

Salat mit Krabben

Salat mit Krabben

Fischfilets, Muscheln und Garnelen in Flusskrebssauce

Fischfilets, Muscheln und Garnelen in Flusskrebssauce

Köln. Autos. Krach. Dreck. Asphalt. Die Uhrzeit bestimmt den Tag. Nicht der Stand der Sonne oder der Wind. Verrücktes Gefühl. Eine andere Welt. Zeit. Noch zwei Tage. Marathon in 4:30h. Startschuss um 11.30h. Startunterlagen abholen bis dann und dann. Maximale Laufzeit sechs Stunden, danach wird man vom Besenwagen eingesammelt. Zeit. Druck. Zeit. Fenster. Ich brauche frische Luft. Ich glaube ich gehe heute noch einmal locker laufen. Vier, fünf Kilometer, nur um meine Beine beweglich zu halten. Sie nochmal zu kitzeln. Ihnen verbieten mehr zu laufen. Um sich Sonntag kaum noch halten zu können. Wer weniger darf, will mehr. Ich will auch mehr. Meer. Und mehr Zeit. Für alles im Leben. Irgendwie ist das Leben manchmal jetzt schon zu kurz. Man wieso bin ich eigentlich im Moment so sentimental? Und so philosophisch angehaucht? Ich denke über mich und mein Leben nach, über die Welt und den Sinn. Bringt mich ein Marathon da weiter? Denke ich soviel nach, weil ich den Marathon laufe? Oder laufe ich den Marathon, weil ich zur Zeit soviel philosophiere? Ist das alles nur ein Zufall oder Bestimmung oder eh völlig egal? Juckt es eigentlich jemanden, ob ich den Marathon wirklich schaffe? Oder zählt nur der Wille? Dabei sein ist alles? Starten und dann die Sintflut? Geht es wirklich um´s Ankommen? Um´s Zeitziel? Oder um´s Wollen? Um´s Trainieren? Nein, ne ne, nur dabei sein ist es nicht. Vorher aufhören ist auch nicht. Ich will ankommen. Und ich will auch unter fünf Stunden bleiben. Das werde ich ja wohl schaffen, oder? Werde ich doch!?

Nicht den Kopf in den Sand stecken

Nicht den Kopf in den Sand stecken

Werde ich! Heute mache ich dafür den ersten Schritt. Ich hole heute meine Startunterlagen ab und schlendere mit Nadine einmal über die Marathon Expo in der Köln Messe. Wettkampfluft schnuppern. Dann werde ich einen lockeren Lauf hinlegen. Und noch ein bisschen was für meine Kraft tun und morgen ist dann Relaxen angesagt. Völlige Entspannung. Unter extremer Anspannung. Morgen ist der Tag vor dem großen Tag. Morgen ist es nur noch ein Tag bis zum Marathon. Ein einziger Tag. Mein Herz hüpft. Einatmen. Ausatmen. Kölner Marathonluft. Ich kann sie schon riechen. Sie macht mich verrückt. Vor Vorfreude. Ich will jetzt endlich laufen. Den Marathon. Meinen ersten ganzen Marathon. Noch 2,195 Tage. Durchhalten. Durchstarten. Durchatmen!


Nov 24 2009

Daul Kim tot

Das südkoreanische Topmodel Daul Kim hat sich das Leben genommen.

Daul Kim ist tod. Rechte: picture-alliance/dpa

Daul Kim ist tot. Rechte: picture-alliance/dpa

Die hübsche 20-Jährige hat sich in ihrer eigenen Wohnung erhängt und wurde von ihrem Freund tot aufgefunden.

Daul Kim aus Südkorea. Rechte: picture-alliance/dpa

Daul Kim aus Südkorea. Rechte: picture-alliance/dpa

In ihrem eigenen Online-Blog schrieb sie in den letzten Wochen bereits, dass sie überarbeitet und deprimiert sei. Dass sie sich wie ein Geist fühle. Alles unter der Überschrift “Say hi to forever”, also “Grüß mir die Ewigkeit”.

Daul Kim nahm sich das Leben. Rechte: picture-alliance/dpa

Daul Kim nahm sich das Leben. Rechte: picture-alliance/dpa

Weshalb Daul Kim nicht mehr leben wollte, ist noch nicht klar. Klar ist bisher wohl nur, dass selbst Aufträge von Chanel, Dries van Noten und Maison Martin Margiela nicht alles zu sein scheinen. Und auch sonst gibt es noch andere Models, die ihr Leben vorzeitig beendet haben. Lucy Gordon erhängte sich im Mai diesen Jahres in Paris und Ruslana Korshunova stürzte sich im Juni 2008 in New York vom Balkon ihres Apartments. Daul Kims Blog namens “I like to fork myself” existiert noch – steht aber nur angemeldeten Lesern zur Verfügung.


Aug 26 2009

365 Tage – 26.August

“Echte Veränderung in der Mode kommt aus echten Veränderungen im echten Leben. Alles andere ist nur Verzierung.” Tom Ford.

365 Tage Fashion -26.August.

365 Tage Fashion -26.August.

US-Designer Tom Ford auf dem Laufsteg am Ende der Vorführung Gucci Collection während der Frühjahr/Sommer 2004 Fashion Week in Mailand.


Dec 1 2008

Geblitzt: Toto & Harry

Wenn in Bochum ein Polizeibulli durch´s Bermuda3Eck fährt, dann glotzen meist alle. Wenn dann zwei unbekannte Gesichter im Wagen sitzen, überlegt man sofort – hab ich alles richtig gemacht? Oder meinen die mich? Und wenn Toto und Harry im Auto sitzen, geht sofort das große Winken los…

Zank um´s Mikro mit Toto und Harry in Bochum

Zank um´s Mikro mit Toto und Harry in Bochum

Toto und Harry sind eher die lustigen Beamten aus dem Fernsehen, als zwei ernstzunehmende Polizisten. Denken viele. Aber Toto (rechts im Bild) und Harry nehmen ihren Job sehr ernst. Als bei den Aufnahmen für ein Gewinnspiel die Batterien ihrer Funkgeräte leer waren, rannte Harry direkt los, als ginge es um Leben oder Tod. Natürlich nur, weil der nächste Termin schon wartete. Egal. Für ein Foto ist immer Zeit. Cheeeeese!


Dec 1 2008

“Höhenrausch”

Man kann nicht alles haben, man kann nicht alle Regeln brechen, und man kann nicht immer gegen den Strom schwimmen. Aber man kann es wenigstens versuchen. Linda Schuhmann, Mitte dreißig und überaus gewöhnt an ihr schlechtes Verhältnis zu ihrem Body-Mass-Index, will raus. Aus ihrer Stadt, aus ihrem Leben und vor allem aus ihrer desaströsen Situation.

Ildikó von Kürthy

Ildikó von Kürthy

Denn es gibt fast nichts schlimmeres, als ekelig quälenden Liebenskummer. Und den auch noch wegen eines Kerls, der meint, der sexiest man alive zu sein. Wieso sonst sollte er sein Geschlechtsteil unbedeckt mich sich durch die Wohnung tragen. Linda würde es schließlich auch nicht wagen, sich ohne Shirt an den Herd zu stellen. Was Mann wiederum schade finden könnte. Gut, dass sich Linda darüber keine Gedanken mehr machen muss. Der Kerl trägt seine äußeren anatomischen Anhängsel nämlich ab sofort bei einer anderen Frau durch die Wohnung…

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Dec 1 2008

“Mein Ich und sein Leben”

Wenn ein Autor tief aus dem Westen von Erlebnissen aus seiner Heimatstadt erzählt und dabei Tränen provoziert, weil man sich vor lachen nicht mehr halten kann, dann kann es sich eigentlich nur um Frank Goosen handeln. „Mein Ich und sein Leben“ ist eine Reihe von herrlichen Geschichten über all das, was man irgendwie auch schon einmal selber erlebt hat. Der Wiedererkennungswert von Goosens Schreibstil ist ungemein hoch, denn es gibt kaum andere Büchern, bei denen man nur mit Glück nur Bauch- und Gesichtsmuskelkater davon kommt.

Frank Goosen: "Mein Ich und sein Leben" (Heyne)

Frank Goosen

„Ich dachte ich muss aus den Ohren kotzen“…

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