Oct 1 2011

Noch 1,195 Tage

MORGEN IST ES SOWEIT!!! Morgen fällt der Startschuss für den Köln-Marathon und ich werde verrückt vor Freude!

Ich bin orange

Ich bin orange

Schon gestern war der große Tag so nah. Erstens war ich den ersten, ganzen Tag nach dem Juist-Kurztrip wieder in Köln und zweitens ist Köln schon in absoluter Vorbereitung. Als ich mit dem Fahrrad zur Physiotherapie gefahren bin, habe ich auf ein paar Grünstreifen und an diversen Straßenrändern schon die bereit gestellten Absperrungen gesehen. Fein säuberlich aufgestellt warten sie seelenruhig und rot-weiß-gestreift darauf, an ihren vorgesehenen Platz zu wandern und tausende von Marathonis an sich vorbei schleusen zu können. Einer davon werde ich sein.

Rot-weiß und startklar

Straßensperren sind schon startklar

Meine Physiotherapeutin hat mich übrigens gelobt. Mein verspannter Rücken ist gar nicht mehr so ein übler Klotz, nur meine Halswirbelsäule ist noch etwas zubetoniert. Deshalb hat sie mich heute mit so blauen Tapes tapeziert. Lustig, wie die Leute einen mit so einem seltsamen Hautschmuck angucken.

Tape im Nacken

Tape im Nacken

Zumindest auf der Straße. Auf der Marathon Expo in der Köln Messe kam ich mir nicht mehr so komisch vor. Sportler kennen die Tapes einfach schon vom Sehen oder Selbsttragen. In den Messehallen habe ich also eher eine Art Mitleid geerntet. “Die Arme, muss mit Schmerzen laufen”. Manche Blicke gingen auch in Richtung “Das muss ja auch nicht sein, mit körperlichen Beschwerden zu laufen”. Aber Freunde, ich laufe. Im orangenen Block.

Alles schon bereit

Alles schon bereit

Kölner Marathon Expo

Kölner Marathon Expo

Und die Blicke habe ich eh schnell ignoriert. Ich war nämlich völlig Shopping-fixiert. Im Wahn. Wie gemein das aber auch ist. Da stellen die 12.000 Läufern einfach unendlich viele Stände mit Laufbekleidung von Shirts über Mützen und Kompressionsstrümpfen, Zubehör wie Trinkgurte, Sporttaschen und Sonnenbrillen und Nahrungsergänzungsmitteln hin. Ist doch klar, dass wir dort alle einkaufen wie bekloppt, oder?

Kaufrausch vor dem Lauf

Kaufrausch vor dem Lauf

Und wir mussten sogar an den Ständen vorbei. Denn erst ganz am Ende, in der zweiten Etage, ist die Abholung der Startunterlagen. Ich buchstabiere: S-T-A-R-T-U-N-T-E-R-L-A-G-E-N! Ich habe endlich mein persönliches Nummernschild. F2949. Ist es nicht wunderschön?

Ich mag meine Startnummer

Ich mag meine Startnummer

Ich hoffe, mein Name ist groß genug geschrieben, damit mich auch ja alle anfeuern können am Straßenrand. Auch die, die mich nicht kennen. Nur bitte nicht singen! Keine Kostproben von Costa Cordalis, bitte. Einfach nur rufen reicht! Sonst muss ich mir doch meine Musik auf die Ohren machen. Meine Playlist ist auch schon fertig. Nadine hat mir ihren mp3-Player ausgeliehen. Der spielt alle Alben in der unendlich-Schleife. So muss ich nur einmal auf Play drücken und kann mich dann auf die Strecke, statt auf kleine Knöpfe konzentrieren, die ich bei der vorhergesagten Sonne eh nicht sehen kann.

Die Playlist ist fertig

Die Playlist ist fertig

In der Starter-Tüte waren auch noch ein Kölsch-Glas als Sonderedition mit der schematischen Streckenführung auf der Vorderseite. Dazu gab´s kühlende Salbe und ein Schlüsselschweißband sowie zahlreiches Infomaterial. Aber mittlerweile bin ich ganz gut informiert. Und meine Leute auch. Ein paar Telefonate werde ich heute wohl noch führen, aber mittlerweile wissen eigentlich alle, wo wir uns wie treffen wollen und wann ich in etwa plane, wo zu sein.

Zum Glück bitte dort lang

Zum Glück bitte dort lang

Wenn denn alles so klappt, wie ich es mir vorstelle. So ein Marathon ist ja auch ein bisschen wie ein Glücksspiel. Zumindest beim ersten Mal. Da weiß man halt nicht, wieviel Zeit ein kurzer Ausflug Richtung Dixi dauert, wieviel Zeit das Trinken in Anspruch nimmt und wann man wirklich sein eigenes Tempo laufen kann, anstatt nur in einer riesen Traube mitzulaufen, die einen völlig aus dem Konzept bringt. Dazu kommen die ja nahezu tropischen Temperaturen, die für morgen angesagt sind. 24 Grad – am 2.Oktober! Wer hätte das gedacht? Ich denke, ich werde meine Helfer am Straßenrand mit zusätzlichen Getränken ausstatten, die sie mir reichen können. Sie selbst sind ja bestens versorgt, dank der vielen Kölsch-Stände in der ganzen Stadt. Außerdem muss ich immernoch ein wenig Zeitverlust wegen meiner blöden Schwindelgeschichten einplanen. Ich war auf Juist zwar annähernd schwindelfrei, aber kaum bin ich heute morgen in Köln aufgewacht, hat sich wieder alles gedreht. Nur kurz. Aber heftig. Vielleicht hat es ja doch was mit unterbewusstem Druck, mit Stress, mit Aufregung zu tun. Vielleicht war´s das Training. Man weiß es nicht. Ich bin sehr gespannt auf meine Self-Feldstudie in der Woche nach dem Marathon.

Die Wundermatte

Die Wundermatte

Übrigens – nach dem Marathon ist zwar bei mir nicht vor dem Marathon. Aber natürlich werde ich trotzdem weiter Sport machen. Und ich habe vor kurzem etwas entdeckt, das mir die dunkle Herbst-Winterzeit versüßen wird. Ich habe gestern nämlich noch ein bisschen Kräftigungs- und Stabitraining gemacht, mit einer speziell konzipierten Matte namens Flowin. Einmal habe ich die Matte auch schon ausprobiert. Und zwar in Hilden, als Flowin-Trainer Arnd Storkebaum einen Schnupperkurs angeboten hat. Ich habe davon erfahren, mich erkundigt und durfte mitmachen. Und ich muss sagen, ich war fasziniert, wie sehr eine Matte mit ein paar Pads einen so fertig machen kann. Ich hatte drei Tage Muskelkater, habe mich aber irgendwie direkt anders gefühlt. Besser, aufrechter, stärker. Tolles Gefühl.

Im Prinzip macht man auf der Matte mit Hilfe der speziellen Fuß-, Hand- und Kniepads verschiedene, fließende Bewegungen, am besten aufeinanderfolgend, damit man wirklich in den Flow kommt. Es geht um Flißebewegungen, bei denen die Muskeln die ganze Zeit angespannt sind und statisch arbeiten.

Fließbewegungen für die Silhouette

Fließbewegungen für die Silhouette

Das spricht dann nicht, wie beim normalen Krafttraining, nur die äußersten Muskelschichten an, sondern auch die tiefer liegenden Bereiche. So kann man zum Beispiel die Oberschenkelmuskulatur stärken und den gesamten Muskel trainieren, um 100 Prozent der Beinkraft zum Beispiel beim Marathon ausnutzen zu können, ohne dass man aufgepumpt aussieht und übermäßig an Volumen zunimmt. Der Muskel ermüdet also nicht mehr so schnell, weil er auf mehr Masse an Muskelfasern zugreifen kann.

Meine Beine sind also bestens vorbereitet. Und ich werde sie nach dem Marathon weiter mit Flowin verwöhnen, um in Zukunft vielleicht noch etwas mehr Beintiefenkraft für´s Kitesurfen und Kitelandboarden aufzubauen. Außerdem ist Flowin auch perfekt für einen starken Rücken, einen schönen Bauch und einen kräftigen Schultergürtel. Alles Dinge, die wichtig sind für eine aufrechte Haltung, Kraft in der Körpermitte und gut gegen einen verspannten Nacken, weil die Übungen den typischen Alltagsbewegungen entgegenwirken, die wir am Schreibtisch, beim Autofahren, Kochen und Kinderwickeln machen. Hier gilt “Schultern nach hinten, tief und Nase hoch”.

Ganzkörpertraining für Zuhause

Ganzkörpertraining für Zuhause

Um meine Beine für morgen schön geschmeidig zu halten, werde ich gleich noch eine kleine Runde durch den Park traben. Fünf Kilometerchen, ganz relaxt und nur, um nochmal einen aktuellen Temperatur-Check zu machen und meine Beine auf die Uhrzeit einzustellen. Und dann kommen auch schon meine Eltern. Wir gehen später noch eine Runde spazieren, wollen heute Abend lecker Pasta essen und nochmal Energie tanken und dann bricht die letzte Nacht vor dem großen Tag an. Ich werde später natürlich auch noch ein tausendstes Mal meine Tasche checken, ob alles, was ich mitnehmen will, auch wirklich drin ist. Meine Klamotten rauslegen und dann einfach nur noch versuchen ruhig zu bleiben. Ja, ich denke es kann losgehen. Puh, joa, doch, langsam will ich los. Ich will endlich erleben, wie es ist, einen Marathon zu laufen. Und ich will´s auch ein bisschen einfach hinter mir haben. Ich will, dass jetzt morgen ist. Ich hoffe, dass ich halbwegs gut schlafen kann heute Abend. Mehr als gut essen und gut schlafen kann ich jetzt nämlich nicht mehr machen. Das Training ist abgeschlossen. Eine wirklich intensive Zeit ist rum und bekommt morgen hoffentlich ihr Krönchen aufgesetzt. Der Weg ist das Ziel. Die 42,195 sind das Ziel. Und doch geht es los mit dem ersten Schritt und dem ersten Meter.

Mein erster Marathon. Morgen ist es soweit!


Sep 22 2011

Noch 10,195 Tage

Heute ist es soweit! Ich gehe wieder laufen! Ja, das tue ich!

Wärmbär gegen Laufschuhe

Wärmbär gegen Laufschuhe

Ich liege jetzt seit einer Woche rum. Bewege mich höchstens vom Bett zum Kühlschrank zum Klo zum Bett zum TV. Das war´s. Ich hab schon das Gefühl, diese Strecke kaum zu schaffen. Das sollen meine Beine gar nicht erst hören. Wie soll ich denn sonst 42,195 Kilometer packen? Nichts da, heute geht´s eine kleine lockere Minirunde raus. Und wenn ich nur trabe. Ja, traben ist ok. Ich verspreche langsam anzufangen. Werde schön auf meinen Puls achten. Und wenn ich merke, es geht nicht, drehe ich um. Das dürfte dann aber höchstens an meiner verkommenen Kondition liegen. Mein Schnupfen ist nämlich weg. Verbannt, kaputtgesprayt, weginhaliert, auskuriert. Eine ganze Woche hat er mich rausgehauen. Das kriegt er heimgezahlt. Ich werde den ganzen Herbst und Winter so dermaßen viel Vitamin C und heiße Bäder zu mir nehmen, dass er gucken kann, wo er bleibt. So krank werde ich so schnell nicht noch einmal. Ich bin froh, dass ich mich geduldet habe und vernünftig war (dank euch allen! Gute Zusprüche und eure lesende Kontrolle haben mir geholfen!!), aber jetzt habe ich die Nase voll. Also nein. Quasi leer. Nase gut, alles gut. Brooks, macht euch schon mal warm. Der Wärmbär kommt an den kalten Tagen bald ja trotzdem wieder zum Einsatz.

Salat mit Mango-Smoothie

Salat mit Mango-Smoothie

Ich hasse frieren. Morgens aufstehen und die warme Bettdecke bei Seite scheiben müssen – jedes Mal eine echte Überwindung. Oder heiß duschen und sobald das Wasser aus ist wieder eine Gänsehaut zu haben – fürchterlich. Heißen Kakao (mit Schuss) trinken, Tee, Kerzen, einmummeln in Wolldecken, es sich gemütlich machen, das ist alles fein. Aber frieren? Bah! Deshalb laufe ich auch so gerne. Da wird einem ganz ohne Schuss und Kratzwolle warm. Danach gibt´s dann am liebsten noch was Gutes zu essen und trinken (ich bin eine echte Genießerin, ich liebe gutes, frisches Essen, am liebsten saisonal, wenn´s geht sogar noch aus der Region). Nach der Dusche, gemütlich positioniert vor “Two and a half Men”, mit dicken Socken an den Füßen und dann geht´s wohlig kaputt in die Federn. Ein Traumabend. Wobei ich mich auch langsam wieder darauf freue, abends mal wieder ein Bierchen trinken zu gehen. Ich bin da sehr streng im Moment. Außer meinem Schweinetag einmal im Monat, neulich mal einem Kräuterschnaps (Kräuter sind ja gut bei Erkältungen…) und einem kleinen Glas Rotwein (hmmm, war der lecker) habe ich wirklich auf Alkohol verzichtet. Oh, Moment, ich will den Asti aus dem Gefrierfach nicht unterschlagen. Naja gut, ich habe weitestgehend auf Alkohol verzichtet. Aber ich will ja auch keine Bestzeit laufen. Da darf ich doch auch wieder Bock auf drei, vier Kölsch, statt nur auf ein Reagenzglas haben, oder?

Bierdurst. Bald darf ich wieder.

Bierdurst. Bald darf ich wieder.

Wobei, eigentlich habe ich gestern erfahren, dass Alkohol und Genussmittel generell doch nicht so ganz das Richtige für mich sind. Meine Idee, den Kaffeekonsum zu erhöhen, ist also auch wieder dahin. Denn ich war gestern beim Neurologen und siehe da, mein Schwindel wurde endlich mal richtig ernst genommen und das Kind hat einen Namen bekommen. Der Dok hat mich untersucht, hat sich richtig viel Zeit genommen, ich war total begeistert. Am Ende hat er mir dann ein Buch vor die Nase gelegt und meinte, lesen Sie mal, was sie beschreiben ist wie frisch gedruckt aus dem Lehrbuch. Ich lese, und tatsächlich, als hätte ich es selbst geschrieben, Drehschwindel, Pfropfgefühl, Druck auf dem Ohr für mehrere Minuten bis Stunden, Hörveränderung, allgemeine Unsicherheit. All das zusammen gefasst kommt man dann zu folgendem Ergebnis: Ich habe vermutlich “einen Menière”. Morbus Menière. Eine Erkrankung des Innenohrs, bei der sich Wasser einlagert und dadurch ein Überdruck in der Gehörschnecke entsteht. Die Ursachen dieser Krankheit sind bis heute großteils ungeklärt. Recht klar ist nur, was dabei im Ohr passiert:

“Ein zu hoher Druck auf die Reißner-Membran führt zum Einreißen oder einer erhöhten Durchlässigkeit des Endolymphschlauches. Dadurch kann sich die kaliumreiche Endolymphe mit der natriumreichen Perilymphe mischen. Die Trennung der Ionen ist jedoch für die elektrischen Prozesse auf Zell-/Nervenebene im Innenohr wichtig, da sie eine elektrische Potentialdifferenz aufrechterhält. Durch die Mischung beider Flüssigkeiten kommt es daher zu einer falschen Signalübertragung ins Gehirn. Wahrgenommen wird dies vom Patienten als lang anhaltender Drehschwindel.” (Wikipedia).

Grünes Licht vom Arzt

Grünes Licht vom Arzt

Die Behandlungsmethoden sind vielfältig, aber versprechen nicht zwingend eine Heilung, wie eine Menière-Infoseite im Netz ziemlich genau erklärt. Jetzt heißt es also die weiteren Untersuchungen abzuwarten und zu hoffen, dass wir das Ganze schnell in den Griff bekommen. Ich habe übrigens extra gefragt, ob die Beschwerden mit Wassersport zu tun haben könnten. Schließlich habe ich im März mit dem Kiten angefangen und zwei Monate später die ersten Schwindelanfälle bekommen. Aber der Arzt schließt einen Zusammenhang aus. Wasser in den Beinen während der Schwangerschaft kommt ja auch nicht vom Baden. Wenigstens das. Naja, in zwei Wochen habe ich einen Gehörnervtest und ein paar andere Sachen vor der Brust. Bis dahin kann ich nur weiter Betahistin nehmen und hoffen, dass ich möglichst verschont bleibe. Laufen darf ich übrigens trotzdem, aus medizinischer Sicht steht dem Marathon nichts im Wege. Die Frage ist nur, ob ich bei einem Schwindelanfall kurz stehenbleibe und dann weiter laufen kann oder ob´s mich gänzlich umhaut. Ich muss mir da noch einen Trick überlegen. Und damit nichts passiert, gehe ich gleich brav mit Handy in der Hand laufen. Und ihr wisst ja jetzt auch, dass ich unterwegs bin. Liebe Kölner Spaziergänger, bitte habt Acht auf ein pink gekleidetes Mädel mit langen, blonden Haaren. Und liebe Leser, wenn ich morgen nicht blogge, kommt mich bitte suchen.

Suchbild

Suchbild

Ach was, Blödsinn bei Seite. Es wird nichts passieren. Ich bin gesund gesund gesund. Eine positive Einstellung hat doch angeblich auch Einfluss auf die körperliche Verfassung, oder? Ich bin Optimistin. Ich habe noch ganze zehn Tage Zeit und ich bin nicht mehr erkältet. Meine Ärzte wissen endlich woher mein Schwindel kommt und alles wird gut!