Nov 16 2010

Jetzt ist er weg… Weg!

Ricardo Camargo Barrera ist Kolumbianer, 24 Jahre alt, Student. Er kommt aus Barranquilla im Norden Kolumbiens und hat über drei Jahren in Bonn gelebt. Mittlerweile ist Ricardo zurück in Kolumbien. Er musste ausreisen, Deutschland verlassen. Und das nur, weil er sein Studienfach wechseln wollte. Wieso er deshalb plötzlich kein Visum mehr bekommt? Gute Frage…

Deutsch-Kolumbianische Liebe

Deutsch-Kolumbianische Liebe

BWL war doch nicht das Richtige für Ricardo. Deshalb hat er sein Studium an der Fachhochschule Bonn nach vier Semestern an den Nagel gehängt. Er wollte lieber etwas studieren, das ihm wirklich liegt – Fotografie und Design.

„Dann hab ich mich an verschiedenen staatlichen Kunsthochschulen beworben, aber es hat leider nicht geklappt, weil da bewerben sich 100 Leute und sie nehmen 15, 18 Leute.“

Aber Ricardo hat nicht aufgeben – und sich mit viel Engagement einen Studienplatz für Kommunikationsdesign an einer privaten Kölner Akademie erkämpft. Doch plötzlich steht er vor einem neuen Problem. Das Ausländeramt in Bonn will ihm sein Visum nicht verlängern. Warum, erklärt Ricardos Anwalt Gerd Schröder aus Bonn.

„Das Ganze richtet sich nach Paragraph 16 Absatz 1 Aufenthaltsgesetz. Zum Zweck eines Studiums an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule oder einer vergleichbaren Ausbildungseinrichtung kann eine Aufenthalts- genehmigung erteilt werden. Und wer mit einem gewissen Visum in die Bundesrepublik einreist, muss den Visumszweck erfüllen. Wenn er das nicht tut, ist er zur Ausreise verpflichtet.“

Ricardo darf also nur an einer staatlichen Hochschule studieren, nicht aber an einer privaten. Für den Kolumbianer völlig unverständlich:

„Ich wusste nicht, dass wir das nicht dürfen. Und ich hätte mich auch für was anderes bewerben können, für irgendwelche zulassungsfreien Studiengänge, aber das ist nicht, was ich machen will. Und wenn ich Bafög bekommen hätte, würde ich sagen, die haben Recht, weil guck mal der geht zwei Jahre studieren und jetzt will er was anderes machen. Aber bei der privaten Akademie hätte ich mir alles selber finanzieren müssen und dafür bin ich auch arbeiten gegangen.“


Auch dass Ricardo schon in Kolumbien eine deutsche Schule besuchte und nach einem Schüleraustausch sein deutsches Abitur gemacht hat, konnte das Ausländeramt Bonn nicht überzeugen. Zum Fall äußern möchte sich dort jedoch niemand. Ricardo zog also vor das Verwaltungsgericht Köln. Ebenfalls ohne Erfolg. Eine Chance hätte er noch: Die Härtefallkommission des NRW-Innenministeriums. Doch Anwalt Schröder ist skeptisch.

„Bei der Härtefallkommission liegen sehr viele Fälle von ausländischen Mitbürgern vor, die auch als Familienverbund in der Bundesrepublik Deutschland sind. Wo die Kinder teilweise fast ausschließlich Deutsch sprechen, so dass neben diese Härtefällen nur eine sehr geringe Zahl von Härtefällen zu einem positiven Ergebnis geführt werden.“

Zudem würden so weitere Anwalts- und Gerichtskosten auf Ricardo zukommen, die er sich kaum leisten könnte. Denn er musste während des Prozesses seinen Reisepass abgeben, hatte somit keine Arbeitserlaubnis und konnte nicht mehr jobben – geschweige denn sich für einen Studienplatz in anderen Ländern bewerben. Jetzt ist Ricardo freiwillig ausgereist – um seine endgültige Abschiebung zu verhindern.

„Ich bin sauer. Aber noch mehr traurig. Weil ich hab alles gemacht, was ich machen konnte. Das andere war nicht von mir abhängig.“

Seinen Studienplatz an der Privatakademie musste Ricardo verfallen lassen. Aber er will weiter kämpfen. Für seine Freunde, seine deutsche Freundin – und für sich selbst.

„Ich fliege nach Kolumbien, werde da anfangen zu arbeiten und in der Zeit werde ich mich hier für ein paar Fachhochschulen bewerben. Mit der Hoffnung, dass sie mich annehmen. Deutschland ist mein Zuhause. Ich freue mich natürlich meine Familie wiederzusehen, aber nur weil ich nach Kolumbien fliege heißt das nicht, dass ich aufgebe. Ich werde es versuchen, bis ich es geschafft habe.“


Oct 26 2010

Kein Visum für Ricardo

Es gibt Dinge, die gibt es einfach nicht. Könnte man meinen.

Kolumbien. Barranquilla. Alltag.

Kolumbien. Barranquilla. Alltag.

Wenn man von Ricardos Geschichte hört, fällt einem zumindest nichts mehr ein. Der Kolumbianer, 24, lebt seit drei Jahren in Bonn und hat dort BWL studiert. Als er merkte, dass ihm das Fach doch nicht besonders liegt, hat er gewechselt – so wie tausende anderen Studenten auch. Nur dass diese anderen Studenten einen entscheidenden Vorteil haben: Sie sind Deutsche und dürfen wechseln wohin sie wollen.

Integrationsdebatte vs. Realität

Integrationsdebatte vs. Realität

Für Ricardo gilt das nicht. Was für ausländische Studenten anders ist, warum Ricardo jetzt aus Deutschland ausreisen und zurück in ein Land muss, in das er eigentlich gar nicht zurück möchte und wie es für ihn weiter geht, das erfahrt ihr Mittwoch, 27.Oktober, in der 13-Uhr-Stunde im Programm von Funkhaus Europa.


Oct 19 2009

Qualid Ladraa

Die Fashion Week in L.A. ist in vollem Gange, noch bis Mitte dieser Woche zeigen zig bekannte Designer ihre neuen Kollektionen – wie z.B. Christian Audigier, der Macher von Ed Hardy mit seinen Tattoo-Vintage-Klamotten. Promis wie Madonna, Fergy und Rihanna fahren da ja total drauf ab. Und zu verdanken hat Audigier das seinem Assistenten Qualid Ladraa. Kurz Q. Der ist 27, kommt aus Bonn, „Promi-Angler“ und zwar so erfolgreich, dass er sich jetzt selbstständig gemacht hat.

Q mit mir in Berlin

Q mit mir in Berlin

Allerdings will er die Modebranche nicht mit Tattoo-Looks erobern, sondern stilmäßig mit dem kompletten Gegenteil, eher chic und etwas “futuristisch”. Die Betonung liegt auf „will“. Noch gibt’s die Sachen nämlich nicht. Q entwirft gerade die ersten Samples. Anfang 2010 sollen dann die ersten Teile produziert werden und Anfang Mai sollen sie dann zu kaufen sein. Q will nur das Marketing-Konzept von seinem alten Arbeitgeber übernehmen. Also Erfolg durch Promis und Parties. Da kennt Q sich nämlich aus:

Einer meiner Lieblingsleute, mit denen ich feier gehe, ist P.Diddy, es macht Spaß mit ihm zu feiern, weil er immer gute Laune hat und poisitiv ist. Ich mag Kanye ziemlich gerne. Aber ich mag auch mal mit Britney Spears oder Paris Hilton feiern, weil die können richtig krass feiern, das ist unglaublich manchmal.“

Stars wie Madonna, Shakira, Lady Gaga, Rihanna und Lenny Kravitz gehören auch zu Q´s Freundeskreis.

Bodenständige Promis oder Extrawürste?

Promis haben ja schon gerne so ihre Extrawünsche. Für Q aber alles kein Problem. Er hat mittlerweile auch seine eigene Marketing-Agentur, die heißt Qwes, ist mitten auf dem Sunset Boulevard in L.A. und sein alter Arbeitgeber Audigier ist einer seiner Kunden. Und natürlich sorgt Q da auch für sämtliche Extrawürste und ganz individuelle Tshirts:

„Ja wir machen jetzt gerade eins für Vladimir Klitschko. Und ja, wenn sie ein    Extrashirt haben wollen, klar. Wir haben eins für Madonna gemacht, für Paris Hilton. Was für Sonderwünsche hatte Paris Hilton z.B.? Paris liebt Swarowski-Steine, Gold, Silber, Glitzer, das liebt sie. Und wir geben ihr da auch alles was sie möchte.“

Der Kunde ist halt König.

Q mit GNTopmodel Sara Nuru

Q mit GNTopmodel Sara Nuru

Der Weg zum Traumjob…

Dass Q so erfolgreich ist, war anfangs purer Zufall! Für sein Marketing-Studium ist er nach New York gegangen und hat am ersten Abend einen der angesagtesten Club-Promoter kennengelernt. Der hat ihn auf zig wichtige Promi-Parties geschleppt, und als Q zwei Jahre später nach Los Angeles gezogen ist, um da weiterzustudieren, kannte er schon halb Hollywood. Auch Madonna – und der hat er mal ein Ed Hardy-Shirt verpasst. Das ist dank der Paparazzibilder um die Welt gegangen, Christian Audigier hatte die Mega Promo und Q wurde vom Fleck weg engagiert. Aber Q ist trotzdem super bodenständig und freut sich immer, wenn er sich in Deutschland entspannen kann.

Mich erkennt nicht jeder und das ist auch gut so. Also ich liebe es meine Privatsphäre zu haben. Aber es ist aufregend in einer Riesenstadt wie Los Angeles zu sein, und die Leute kennen dich und ich bin schon ein bisschen stolz drauf. Aber es ist auch immer wieder schön Freunde zu sehen, ich kann deutsches Essen essen und einfach diese schöne, deutsche Luft riechen.“

Aber von Luft alleine kann man schlecht leben. Deshalb will Q jetzt richtig Karriere machen, und das in Amerika und in Deutschland.