Ich bin Ironman | Triathlon-EM in Frankfurt


After-Race-Day

08:00 Uhr.

Montag Morgen. Ich kann nicht mehr schlafen. Dabei bin ich irre müde. Mein Kopf wummert. So als hätte ich die halbe Nacht gefeiert. Meine Augen sind verquollen und meine Fußgelenke tun weh. Ich habe Brand ohne Ende und Heißhunger auf Pellkartoffeln mit Salz und Butter! Aber ansonsten geht´s mir echt gut. Vermutlich ist das der Grund, warum man vorher so viel trainiert: damit man hinterher nicht das restliche Jahr Frührente beantragen muss.

12:00 Uhr.

Mehr als zwei Scheiben Brot habe ich doch nicht runter bekommen. Dafür fallen mir meine Augen zu. Ich mache mal ein Mittagsschläfchen.

14:30 Uhr.

Guten Morgen Teil II. Immer noch Kopfweh. Ich muss mehr trinken. Wow, ist das echt alles passiert? Bin ich wirklich Ironman? Ich habe es wirklich geschafft? Langsam kommt es bei mir an.

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Wo fange ich an? Mit einem riesigen DANKE!! Soviel Support, guter Zuspruch und so wahnsinnig viele Glückwünsche – vor dem Rennen, auf der Strecke und hinterher. Ich bin wirklich sprachlos! Euch allen gehört ein Teil der Medaille, diesem riesigen, eckigen Klunker, auf dem übrigens fünf Radkilometer unterschlagen wurden – hier stehen 180 statt 185 km drauf.

17:18 Uhr.

Genau vor 24 Stunden war ich auf der Laufstrecke und habe mich sehr gequält. Wollte zwischendurch mal aufgeben. Aber fangen wir vorne an.

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Um 03 Uhr nachts hat der Wecker geklingelt und ich war sofort hellwach. Ich habe mir einen Kaffee gegönnt und ein Stück Laugenbrezel reingezwängt. So direkt nach dem Aufstehen was zu essen fiel mir schon immer schwer. Egal was für eine Belastung mich am Tag erwartete. Die Gelflaschen und Riegel, meine Klamotten – das alles habe ich schon am Vortag vorbereitet, also musste ich nicht mehr viel machen, außer mental mit dem paar Stunden vor dem Startschuss klarkommen.

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Dafür nehme ich mir immer ein paar Minuten Zeit, höre „Run“ von Ludovico Einaudi und gehe gedanklich das Rennen durch – mit ausschließlich guten Gedanken. Ich spreche mein Mantra „konstant und entspannt“ und visualisiere den Zieleinlauf. Mir kamen direkt die Tränen. Ich verspürte einen gewissen Druck, aber auch wahnsinnige Vorfreude und richtig Bock endlich loszulegen. Die Woche Tapering war hart – Zeit absitzen, warten, Däumchen drehen, viel nachdenken. Jetzt war Race Day und eigentlich war ich verhältnismäßig ruhig. Bildete ich mir zumindest ein.

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Mit dem Auto sind mein Freund und ich zum See. Mit dem Blick auf das Wasser und die großen Bojen war die Nervosität dann plötzlich da. Die Ruhe vor dem Sturm machte mir Angst. Die Bojen sahen so wahnsinnig weit weg aus. Und die vielen anderen Teilnehmer, die langsam eintrudelten, sahen alle so fit aus. Ich hatte plötzlich Halsweh, Bauchweh, Allesweh und das Gefühl, ich kann gar nichts, habe nicht genug trainiert und bin noch nicht reif für die Prüfung. An meinem Rad in der Wechselzone angekommen kam dann der erste Schock: ich hatte am Vortag Luft aus den Reifen gelassen, wegen der Hitze. Und am Rennmorgen habe ich den Hinterreifen nicht mehr aufgepumpt bekommen. Die Ventilverlängerung saß vermutlich nicht richtig. Ich also zum hochfrequentieren Mechaniker, bis auf 7,5 Bar aufgepumpt (mit Hilfe ging es dann irgendwie doch), Puls mal kurz in die Höhe getrieben.

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Dann habe ich alle Getränke vorbereitet, habe meine Klebetattoos mit meiner Startnummer an Unterarm und Unterschenkel angebracht und mir noch ein bisschen Essen reingequetscht.

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In dem Moment kam die erlösende Durchsage: Wassertemperatur 23 Grad – das hieß Neo-Erlaubnis! Traumhaft.

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Ich habe lauthals gejubelt und habe mich in das „kleine Schwarze“ gepellt, bin nochmal zum Rad, hab Getränke und Verpflegung verstaut, das Navi angeklickt und den Weg nochmal durchgespielt.

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Der nächste Schock: der Hinterreifen verlor Luft! Nochmal zum Mechaniker, nochmal nachgepumpt, aber das war wohl nur die Panik. Der Mechaniker konnte mich beruhigen, ich durfte ihn einmal drücken und dann ging es raus aus der Wechselzone, runter zum Wasser.

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Auf dem Weg dorthin habe ich schon ein paar Gesichter von meinem Verein MACH3 Köln erwischt. Jetzt wurde ich richtig nervös.

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Manni hat mir viel Spaß und Glück und Erfolg gewünscht und mich in den Arm genommen, aber da war ich schon im Tunnel. Meine Eltern habe ich leider nicht mehr gesehen vorher – dafür habe ich sie dann mit ihrem überdimensionalen Schild direkt am Schwimmeinstieg gesichtet und mir ging ein Schub Endorphine durch den Körper.

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Jetzt konnte es losgehen. Um 6:30 Uhr fiel der Startschuss für die Profi-Männer, um 6:32 Uhr für die Profi-Damen und um 6:40 Uhr für die Amateure. Der Blick auf den See, der sich plötzlich in einen Whirlpool verwandelte, war unbeschreiblich. Das Wetter war perfekt, die Sonne schien auf das Wasser wie eine riesengroße Naturmedaille. Und dann stand ich da, im Block für Schwimmer mit einer erwarteten Zeit von 1:00-1:10 Stunde. Der Rolling Start, bei dem alle paar Sekunden ein paar Athleten auf die Strecke gelassen werden hat reibungslos funktioniert und den sonstigen Massenstart vollkommen entzerrt. Ich konnte also ohne großes Gekloppe losschwimmen und verstand plötzlich, was da gerade geschah: meine erste Langdistanz hat begonnen. Meine Reise. Mein Traum. Nur dass er gerade real war.

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Dadurch, dass ich viele Schwimmer überholte und teilweise auch von hinten überholt wurde, war es aber schnell vorbei mit meinem ausufernden Platz im Wasser. Schon kurz vor der ersten Boje habe ich zweimal einen gewischt bekommen, richtig schön auf den Hinterkopf. Ein Schläger hat auch direkt kurz abgestoppt und sich sogar entschuldigt. Also alles gut und weiter im Takt. Lange Züge, nach vorne atmen (da hatte ich die ganze Zeit meinen Coach Micha Rundio und Freiwasserprofi-Schwimmerin Isi Härle im Kopf, mit der ich neulich mal trainieren durfte. Nach 1,5 Kilometer – wovon die zweite Hälfte gegen die Sonne ein echter Blindflug war) ging es kurz über Land, also in die Vertikale, vorbei am tosenden Publikum. Ich hörte meinen Namen, meine Eltern, meine Vereinsfreunde, meine Schwimmschwimm-Mädels Steffi und Simone, meine Caros, mein Coach, alle da! Alle so laut wie niemand sonst am See.

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Manni rief mir „super Zeit“ zu, aber ich habe nicht auf die Uhr geschaut. Zurück ins Wasser, jetzt kam der längere Abschnitt von 2,3 Kilometern und noch mehr Kloppe. Irgendwie knubbelte sich plötzlich das Feld und ich fand überhaupt keinen Rhythmus mehr. Umso überraschter war ich, als ich kurz vor dem Ausstieg den Moderator vernahm, der was von „gleich acht Uhr“ sagte. Ich kam aus dem Wasser, sah auf die Uhr und erblickte eine 01:10:59. Ernsthaft? Das hielt ich für völlig unmöglich! Und ich kam mir auch gar nicht so schnell vor. Wahnsinn. Lange Züge scheinen wirklich was zu bringen. Den Anstieg wollte ich eigentlich hoch gehen, aber ich war so im Flow und mein Fuß hat sich zu meiner Überraschung nicht beschwert, also bin ich gelaufen, ganz locker, mit Blick ins Publikum, um jede Sekunde aufzusaugen. Ich zog den Neo bis zur Hüfte runter – mehr ist bis zum Wechselzelt verboten – griff mir meinen blauen Radbeutel, den ich am Vortag schon aufgehängt hatte, lief ins Zelt und setze mich auf eine Bank. Es war jetzt schon wahnsinnig warm. Meine Gedanken galten kurz meinem Hinterrad. Hoffentlich war noch Luft drauf. Dann habe ich mich auf das Umziehen konzentriert: Füße vom Sand befreit, Socken angezogen, Schuhe an, Helm und Brille auf, Pumpe in die Rückentasche des Einteilers, Ersatzschlauch, Laugenbrezel. Ich hatte mittlerweile Hunger und wollte was Ordentliches zu beißen. Raus aus dem Zelt, Beutel beim Drop Off noch kurz ordentlich zugeknotet und dann zum Rad. Die Luft war da! Großartig, mir fiel ein Stein vom Herzen. Navi angeknipst, bis zur Mount Line und dann rauf auf das Rad. Mit einem kleinen Dämpfer: ich hatte einen Minikrampf im Oberschenkel. Deshalb bin ich die ersten 13 Kilometer überaus entspannt gefahren, um erstmal reinzukommen.

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Ich habe vom ersten Moment an immer wieder gedacht: wow, du bist jetzt wirklich auf der Radstrecke deines ersten Ironman. Und ich war immer darauf bedacht, keine Fehler zu machen – zum Beispiel zu hart zu treten, weil es gerade eigentlich super läuft, zu schnell über das Kopfsteinpflaster zu brettern; da haben nämlich einige Teilnehmer Flaschen verloren, direkt danach Platten gehabt und Schläuche wechseln müssen oder sind gestürzt – ich habe immer darauf geachtet nicht zu „lutschen“, also nicht im Windschatten zu fahren. Einige haben das dennoch getan, zum Teil auch bei mir, und rote Karten kassiert. Das bedeutete für einige die Disqualifikation durch einen Race Offical – die waren auf der gesamten Strecke unterwegs mit Motorrädern und haben aufmerksam kontrolliert, ob alles mit rechten Dingen zugeht. Natürlich konnten sie nicht überall gleichzeitig sein, so dass sie den unsportlichen Mitstreiter, der mich von rechts überholt hat, als ich gerade wieder einscheren wollte, leider nicht erwischt haben. Ich nenne jetzt mal weder Startnummer noch den Namen, aber ganz ehrlich: du bist ein Idiot, hast uns beide gefährdet und mir auf meine Motze danach auch noch einen bösen Blick zugeworfen. You are no Ironman. Egal wie schnell du im Ziel warst. Sowas macht mich richtig sauer.

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Auf der ersten Runde hatte ich wie mit meinem Coach geplant einen Schnitt zwischen 160 und 170 Watt gefahren, nämlich 167 Watt (ca. 31,5km/h), in der zweiten Runde wurde es sehr windig und immer wärmer, so dass ich nochmal etwas rausgenommen habe und nach 185 Kilometern – fünf mehr als sonst die Ironman-Distanz beim Radfahren – mit 1.400 Höhenmetern am Ende mit einem Schnitt von 163 Watt und 30,5 km/h vom Sattel und in die Wechselzone gehen konnte. Ich habe mir meinen roten Beutel geschnappt, mich in aller Ruhe umgezogen, den Helm auch erst im Sitzen aufgemacht, so wie es im Regelwerk steht.

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Laufschuhe ordentlich geschnürt, noch ein Hydrogel genommen und als ich einen Helfer gefragt habe, wie ich jetzt bitte noch einen Marathon laufen soll, bekam ich eine völlig logische Antwort: einfach einen Fuß vor den anderen. Was auch sonst. Also rauf auf die siedend heiße Laufstrecke, vorbei am Publikum und innerlich drei Kreuze gemacht, dass ich es immerhin schon mal bis hierher geschafft habe. Cool. Ich habe die ersten beiden Disziplinen schon geschafft. Jetzt nur noch 42,195 Kilometer.

Christian Siedler

Mein letzter Marathon ist fünf Jahre her, mein erster sieben Jahre. Ich hatte mir geschworen, nie wieder einen zu laufen. Bis ich das vor zwei Jahren relativiert habe und es auf „nur noch im Rahmen einer Langdistanz“ umgemünzt habe. Und da war sie nun, diese Gelegenheit. Ich war bereits 7,5 Stunden auf der Strecke und noch deutlich länger wach. Meine Augen fühlten sich aufgequollen und dick an. Und mir kamen immer wieder Emotionsschübe, Tränen, dazwischen Bauchblubbern und Hitzeschläge, wenn man längere Abschnitte mit voller Sonneneinstrahlung überstanden hat. An jeder Verpflegungsstelle habe ich Wasser über meinen Kopf geschüttet, jede kalte Dusche mitgenommen, Iso getrunken und am Ende immer einen Becher Eiswürfel mit auf die nächsten paar hundert Meter genommen, um sie einfach festzuhalten, mir in den Einteiler zu kippen, das geschmolzene Eiswasser in meinen Nacken zu gießen und mich irgendwie zur nächsten Verpflegungsstelle zu bringen.

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Die ersten Kilometer liefen gut, ich bin auf 5:25er Schnitt gelaufen und habe mich gezügelt, denn ich wusste, dass sich das Tempo schnell rächen wird. Nach meiner Verletzungspause und vier fast lauffreien Wochen war klar, dass irgendwann der Einbruch kommt. Die zweite Runde wurde dann schon schwer, ich hatte eine Pace von 6:15min/km und musste einmal auf ein Dixi. Die ganzen Gels und Getränke waberten hin und her und beschwerten Magen und Darm Probleme. Meine Lichtblicke waren die Support-Punkte – ich wusste dass meine Eltern, Manni, Caro, Claudia, Dennis, Paula und meine Leute vom Verein warten und viele andere Leute, die ich kenne, verteilt irgendwo am Rand stehen und mich anfeuern. Das war so wahnsinnig wichtig, dass ich es gar nicht beschreiben kann. Auch fremder Support von anderen Teams und Vereinen, von den VPs (Kari und Simone, ihr seid großartig!) und einfach Leute, die meinen Namen vom Nummernbad ablasen und mir zuriefen – you made my day! Und ihr habt mich dadurch über die Strecke gebracht.

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Die dritte Runde war der Horror. Ich bin von Kilometer 20-30 fast nur noch gegangen. Nicht einmal schnell. Und nicht weil ich muskulär leer war, sondern einfach nur weil mein Bauch mich geärgert hat. Zweites Mal Dixi, raus aus dem Einteiler, wieder rein. Was ein Werk. Fast am Ende der Runde habe ich dann einen Umarm-Stopp bei Support-Crew No.1 Family & Friends gemacht und wollte nicht mehr. Ich hätte gerne einen Liegestuhl im Schatten und ein kühles Bier gehabt. Aber Manni sagte: du musst nur noch einmal um die Ecke, über die letzte Brücke und dann bist du Ironman. Ich bin also nochmal angelaufen, habe mir das letzte bunte Bändchen an der Lap-Kontrolle abgeholt und bin keinen Meter mehr ohne Trab vorwärts. Ich wollte es so schnell wie möglich hinter mich bringen. Ich habe wieder an den Zielkanal, an meine Visualisierung und an alle Menschen da draußen gedacht, die an mich geglaubt haben. Die wollte ich nicht enttäuschen. Und an dieser Stelle war es wirklich schwachsinnig aufzuhören. Also Zähne zusammen beißen und weiter ging´s. Auf der letzten Brücke habe ich noch irgendwo einen Schub Energie hergenommen – vielleicht haben die ganzen Schilder mit „Tap here for Iron-Power“ jetzt gewirkt.

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Und ich habe nur noch Cola getrunken – so konnte ich sogar noch einen Spanier animieren, mit mir weiterzulaufen, der auch auf seiner letzten Runde war. Wir haben uns unterhalten, während wir uns im 7er-Schnitt immer mehr Richtung Ziel geschleppt haben. Und Tatsache, plötzlich vor der Moderator zu hören, plötzlich wurde das Jubeln noch lauter und wir konnten abbiegen, auf den roten Ironman-Teppich mit Blick auf die Finishline. Unglaublich! Ich habe angefangen zu schluchzen wie verrückt. Die Reaktionen von den Leuten am Rand reichten von „oh je“ bis „wow super“ und ich konnte es nicht fassen. Ich war wirklich da. Dort wo ich am Vortag noch voller Ehrfurcht stand und mir nicht vorstellen konnte, dass ich es wirklich bis hierhin schaffen könnte. Ich hörte von rechts und links meinen Namen, alle waren da, die mich im Training und auf den 226 Kilometern (+5 Radkilometern) unterstützt haben, alle haben gerufen und ich habe noch mehr geschluchzt. Meine Füße haben mich bis hierher getragen, mein Körper hat all diese Strapazen über sich ergehen lassen und mir ermöglicht, meinen größten sportlichen Traum in Erfüllung gehen zu lassen. Anita, you are an Ironman! Und dann hatte ich mit einem Mal eine wahnsinnig große, schwere, wunderschöne Medaille um den Hals hängen und habe noch mehr geschluchzt als auf den letzten 100 Metern. So ein Gefühl werde ich glaube ich niemals mehr wieder bei keinem sportlichen Wettkampf haben und ich werde versuchen, es für ewig festzuhalten. Ich werde es in Ehren halten und allen, die vorher, währenddessen und danach für mich da waren auch. Ihr alle seid meine Medaille. Sie hat hunderte Gesichter und ganz viele einmalige Momente. Diese Medaille lebt und ihr seid der Grund dafür. Ich verneige mich vor euch und eurer Geduld, eurer Hilfe, ich danke allen Supportern auf der Strecke und gratuliere allen Teilnehmern, ob gefinisht oder nicht. Wenn ich mich an letztes Jahr zurück erinnere, wird mir bewusst, was dieser Ironman für mich alles bedeutet.

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Letztes Jahr war ich ja schon einmal angemeldet für Frankfurt, und musste die Teilnahme canceln. Dann kam Ende August eine Schilddrüsen-OP und die Entfernung zweier verdächtiger Knoten hinzu. Den Berlin-Marathon im September 2017 habe ich noch vor Ort abgesagt, weil ich keine zwei Kilometer am Stück laufen konnte. Im November habe ich dann fast von null wieder mit dem Training begonnen. Nach Karneval habe ich Micha als meinen Coach mit auf meine Reise genommen. Ich habe viel und hart trainiert, bin an und über Grenzen gegangen und habe immer versucht, den Blick auf alles andere nicht zu sehr zu verlieren. Aber jetzt erst merke ich, was für eine Last von mir fällt, es wirklich geschafft zu haben. Mein Kalender hat plötzlich eine neue Dimension bekommen, nämlich „nach dem Ironman“. Ich fühle mich frei, kann nun wieder ein „normales“ Leben führen, ich fühle noch die Blessuren und meine schweren Gelenke, meinen Magen und meine Müdigkeit. Aber ich spüre auch den Stolz und die tiefe Freude. Ich bin jetzt Ironman und das kann mir keiner mehr nehmen. Bald gibt´s hier noch ein Video…

Das Ergebnis in Zahlen:

swim (3,8km)  01:10:59 bike (185km) 06:03:42 run (41,195km) 05:14:47 = 12:42:44

Meine Garmin-Aufzeichnung: https://connect.garmin.com/modern/activity/2838013227 und die offizielle Ironman-Seite für meine Startnummer https://goo.gl/yhLpyJ

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Was kommt als Nächstes, werde ich gerade immer wieder gefragt. Auf jeden Fall kein Ironman mehr. Das war meine erste und letzte Langdistanz und das habt ihr hiermit Schwarz auf Weiß. Ich habe jetzt ganz andere Ziele: meine Hochzeit im August, eine tolle Reise danach, Zeit mit meinen lieben Freunden und meinem Freund, denn alle sind in den letzten Monaten viel zu kurz gekommen. Hätte ich Manni nicht, wäre ich in Wäsche- und Tellerbergen untergegangen und hätte vermutlich mehrfach das Handtuch geworfen.

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Jetzt ist Zeit, das alles zurück zu geben, mich dankbar zu zeigen und wieder ein wenig runter zu fahren. Mittlerweile ich es 20:08 Uhr. Vor etwas mehr als 24 Stunden bin ich ins Ziel gekommen und bekomme beim Gedanken daran direkt wieder eine „Gänsehautentzündung“, wie Frodo mal sagte. Passender könnte ich es nicht formulieren. Bald nehme ich euch in Bewegtbildern nochmal mit auf meine Ironman-Reise. Dann gibt es hier ein Video mit den schönsten, verrücktesten und schwersten Momenten. Aber jetzt lege ich erstmal die Füße hoch und genieße.

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Eure Anita