Dat war Sch(n)ee | 7Gebirgs-Halbmarathon im Winter Wonderland

Wenn an einem Sonntagmorgen um 5.30 Uhr der Wecker klingelt, dann fragt man sich ja schon warum das sein muss. Aber die Antwort ist simpel: muss nicht, ist freiwillig. Und bringt Spaß. Heute sogar im Schnee, beim Siebengebirgsmarathon. Dat war schee!

Ich bin ja eher so die karibische Läuferin: ich liebe Hitze, knallende Sonne, kurze Klamotten und glühenden Asphalt. Beim Siebengebirgs-Halbmarathon habe ich heute das komplette Gegenteil bekommen: -2 Grad am Morgen, einen grauen Winterhimmel, Thermohose, mehrere Schichten Funktionskleidung und vereiste Waldwege. Aber ich muss sagen, dass ich ganz angetan bin. Ein heißer Tee und eine warme Stube tun danach besonderen gut.

21 oder 42 Kilometer

„Es schneit, es schneit! Kommt alle aus dem Haus! Die Trails, die Trail sehen wie gepudert aus.“ Leicht umgedichtet hat das Lied den Nerv des Laufs heute perfekt getroffen. Allerdings ging das Schneestöbern schon vor dem eigentlich Lauf los. So schnell wie die zentimeterdicke Puderschicht sich auf Häuser und Straßen legte, so langsam kamen die Streufahrzeuge mit der Entschärfung der Situation nach. Da habe ich mich bei der Suche nach einem Parkplatz direkt mal schön im Schnee festgefahren und bin dann auf dem Eis darunter abgedriftet. Mein Mitfahrer Chris durfte sein Warm Up damit schon mal vorziehen und das Auto anschieben. Erste Hürde geschafft.

7G Halbmarathon (c) ahornzeit

Bürgerhaus Aegidienberg

Dreh- und Angelpunkt war das Bürgerhaus Aegidienberg. Hier haben wir unsere Startnummern bekommen und konnten uns vor dem Startschuss zum Siebengebirgsmarathon warm halten. Gleichzeitig war das Haus auch der Zieleinlauf, so dass man direkt im Warmen stand. Ich habe die 1045 bekommen, hab Nummernband, Mütze, Handschuhe und meinen Kopf auf die bevorstehende Aufgabe vorbereitet und dann ging es gesammelt zum Startpunkt, etwa fünf Gehminuten vom Bürgerhaus entfernt, zum Gangpferdezentrum in Bad Honnef. Hab mir noch kurz ein paar PS bei Fury abgeholt, dann war auch schon 09 Uhr und der Countdown ging los. Vier, drei, zwei, viel Spaß!

7G Halbmarathon (c) ahornzeit

Waldmeister

Ein paar Mal ums Eck und schon waren wir mitten im Wald. Der Boden war verschneit, aber das Laufen ging gut. Wie die Meister sind wir die ersten kleinen Anstiege hoch und anfangs noch etwas verhalten wieder runter. Die ersten fünf Kilometer vergingen wie im Flug, dann kam schon die erste Verpflegungsstelle mit heißem Zitronentee und gut gelaunten Helfern – danke an dieser Stelle, dass ihr euch bei dieser Kälte mitten ins Nichts stellt und uns Getränke reicht!

7G Halbmarathon (c) ahornzeit

Über 7 Berge musst du gehen

Die Anstiege wurden schnell zu Hügeln und mir wurde noch schneller klar, dass es keine gute Idee war am Vortag zweieinhalb Stunden auf dem Cycling-Rad zu sitzen. Ich habe einen Kurs gegeben und die Stunde vorher akribisch vorbereitet – mir blieb nichts anderes übrig. Aber es gibt sicher bessere Vorbereitungen für deinen Halbmarathon im Gelände. Kurz nach Kilometer dreizehn habe ich dann nachgegeben und bin ein Stück gegangen. Diesmal glühte nicht der Asphalt sondern meine Oberschenkelmuskulatur. Vielleicht war es ein Zeichen, denn später haben wir per Flurfunk schon auf der Strecke gehört, dass etwa auf diesem Streckenabschnitt Wildschweine gesehen wurden. Und da ich nicht schneller hätte laufen können war es vielleicht gut so.

7G Halbmarathon (c) ahornzeit

21 Kilometer und 400 Höhenmeter

Die dritte Versorgungsstelle bei Kilometer 15 war die letzte vor dem Zieleinlauf. Mittlerweile hatte es angefangen richtig stark zu schneien. Meine Augenbrauen wurden wie ein Tannenbaum für weiße Deko benutzt und mein Gesicht war irgendwie schockiertester. Auf jeden Fall fiel das Sprechen mit jedem Meter schwerer. Was mich nicht davon abhalten konnte, ab Kilometer 18 noch einen Plausch mit einer Mitläuferin zu halten. Sie kannte die Strecke in- und auswendig und hat wie eine menschliche Navigation genau mitgeteilt, wann noch was für eine Steigung kommt – bevor es dann raus aus dem Wald und rein in den Ort ging. Nur noch ein Kilometer bis zum Ziel.

Endspurt

Es ging über wunderschöne weiß gepuderte Abschnitte des Rheinsteigs, vorbei an gefällten Bäumen, die geduftet haben wie ein ganzer Nadelwald. Es ging durch rutschige Kurven und über vereiste Trampelpfade, bis wir noch ein bisschen Schneematsch im Ort mitnehmen durften, um über einen blauen Teppich ins Ziel zu laufen. Ganz familiär wurden die Startnummern hier manuell erfasst und dann digital gesammelt. Der Siebengebirgsmarathon ist eben klein, aber sehr fein.

7G Halbmarathon (c) ahornzeit

Und dann gab es die heiß ersehnten Medaillen, dazu heißen Kaffee, belegte Brötchen und ein nettes Adventsbeisammensein, bevor sich die meisten wieder auf den Heimweg gemacht haben. Schichtwechsel mit den ersten Finishern des Marathons. 42,195 Kilometer im Schneesturm. Mit gut doppelt so vielen Höhenmetern. Und hoffentlich ohne Wildschweine.

garmin connect ahornzeit

Danke, Team Triathlon Power Rhein-Sieg und 7G runergy, für dieses herrliche und herzliche Laufevent. Es war mir ein Fest. Ich übe ab jetzt mal Berge. Und dann bin ich nächstes Jahr vielleicht beim ganzen Marathon dabei. Dat wäre schee!

7G Halbmarathon (c) ahornzeit

Und wer wissen will, wie es im Schneesturm den Marathonis ergangen ist, kann das im Blog von Jörg alias Laufgedanke nachlesen. Naaaa, wer ist dabei, 2018?