Persönliche Bestzeit in Berlin

Ich war mir wirklich sicher, dass ich im Leben niemals zehn Kilometer unter 50 Minuten laufen würde. Keine Glanzleistung, aber ich war eben schon immer eine ausdauernde Läuferin, keine besonders schnelle. Deshalb bin ich auch ohne Erwartungen und Zeitziele nach Berlin gereist. Ich wollte einfach ein schönes Saisonende haben, einen schönen finalen Wettkampf 2015 mit Spaß und gutem Wetter. Und so fing es auch an. Es war zwar irre kalt, aber der blaue Himmel und die Sonne haben gute Laune gebracht. Die Atmosphäre vor dem Schloss Charlottenburg war genial!

Vor dem Lauf
Vor dem Lauf

Wir haben uns mit 15 Frontrunnern um 11 Uhr – eine Stunde vor dem Start zu den schnellsten zehn Kilometern Deutschlands – getroffen, kurz einlaufen, Gruppenfoto, noch was trinken und dann ging es schon in den Startblock.

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In unseren grünen GRAND10-Laufshirts waren wir alle gut zu erkennen. Um kurz nach 12 Uhr fiel der Startschuss und ich bin schnell auf Tempo gegangen.

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Ehrlich gesagt ist mein letzter Zehner schon etwas her und war im Rahmen einer Olympischen Distanz beim Köln Triathlon, vor über einem Jahr In meiner Freizeit laufe ich gerne und oft zehn, zwölf oder mehr Kilometer. Aber immer standen am Ende gut 52 Minuten auf der Uhr. Diesmal dachte ich also, direkt auf Risiko, dass ich Seitenstiche bekomme, denn wenn ich hier nicht sofort kämpfe, dann kann das ja nichts werden mit einer Zeitverbesserung… Ist ja schließlich kein Kaffeeklatsch. Ich kam aber auch gar nicht in Versuchung – die Masse hat mich gezogen, und der Ehrgeiz, den noch und die noch und den noch und den auch noch einzusacken, war groß. War wie ein Konsolenspiel, jeder Überholte gab Extrapunkte.

Quer durch Berlin
Quer durch Berlin

Und dann habe ich Franky und Iron Aki wiedergefunden, die ich im Gewühl der Masse direkt beim Start direkt aus den Augen verloren hatte. Ich hab mich einfach hinter die zwei geklemmt und bin im Gleichschritt mitgelaufen. Ein Blick nach dem ersten Kilometer auf die Uhr zeigte mir, dass ich dieses Tempo eigentlich nicht einmal vier Kilometer halten könnte. Ich war bei einer Pace von 04:29min/km. Und Tatsache, irgendwann hat sich Iron Aki abgesetzt, Franky und ich sind weiter Richtung Siegessäule und dann abgebogen Richtung Tierpark. Am Streckenrand standen viele Zuschauer, die fleißig anfeuerten. Ich war für meinen Kopf zu schnell, aber irgendwie hat es so einen Spaß gemacht, dass ich gar nicht eingesehen habe, Speed rauszunehmen. Vorbei an Nashörnern und anderen Vierbeinern ging es dann auch schon auf die zweite Hälfte der Strecke – mit immer wieder ordentlichen Windböen und der Vermutung, dass ich noch ganz böse einbrechen würde.

Hälfe geschafft
Hälfe geschafft

Auf Kilometer 4 und 5 wurde ich dann auch langsamer. Ich konnte nur noch 4:45min/km halten, aber ich habe gedacht, wenn nicht jetzt – wann dann?? Schließlich war es jetzt nurn och der Rückweg. Also weiter Gas geben, auch wenn Franky mich ebenfalls schon verlassen hatte. Aber ich konnte am Ende wieder eine Schippe drauflegen und habe Frankys grünes T-Shirt immerhin wieder von hinten gesehen – und Anke war auch wieder in Sichtweite. Also Zähne zusammen beißen und weiter! Ich hatte total Durst, aber Zeit verlieren durch Trinken kam für mich auf dieser Strecke nicht in Frage. Der letzte Kilometer – der Zielbogen war schon jetzt zu sehen, das Schloss wurde angestrahlt von der Sonne wie von einem Lichtspot, der mir der Weg weist. „Nur noch ein paar hundert Meter, zieh Anita!“ Mein Mantra. Ich hatte nur bei Kilometer 1 auf die Uhr geguckt.

GRAND10 Berlin
GRAND10 Berlin
GRAND10 Berlin
GRAND10 Berlin

Die zweite Uhr, die mir unterkam, war die im Ziel, mit großen roten Ziffern. 47:12 stand da – ich musste sogar noch was abziehen, weil wir im zweiten Block ja einige Sekunden später über die ersten Zeitnahmematten gelaufen sind. 47!!!???!?!?!?!? Das waren gut fünf Minuten weniger als sonst! Fünf Minuten! Ich war völlig high von diesem Gefühl. Das plötzliche Stehenbleiben war wie ein Rausch, die Beine liefen innerlich noch weiter, der Kreislauf war noch voll in Fahrt und ein Endorphinschub schoss durch meinen Körper. Ich wollte heulen vor Freude, aber ich konnte nur Quietschen und innerlich explodieren vor Freude! So geil! Mädels, Jungs – danke für´s Ziehen, danke für´s Mitfiebern und Mitfreuen! Ich habe etwas geschafft, mit dem ich im Leben nicht gerechnet hätte. Zehn Kilometer in 46:47min!

Persönliche Bestzeit 46:47min
Persönliche Bestzeit 46:47min

Was mir wiederum zeigt: da ist Luft nach oben. Wenn ich es richtig angehe, mein Coach Johann Ackermann mich weiter so trainiert und ich wieder so starke Wettkämpfe mit so starken Läufern der Frontrunner für 2016 plane… Danke Berlin, danke Sonne, danke Beine!