Ich bin verknallt

Hach, ich bin verknallt. Und wie! Es ist ganz frisch. Endlich habe ich jemanden gefunden, der mich im Training und im Wettkampf begleitet. Einen, der stark und gleichzeitig ganz sanft ist. Der mich motiviert und bremst, wenn es sein muss. Einen, der regelmäßig durchdreht, aber trotzdem ganz ausgeglichen durch das Leben zieht.
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Er glänzt mit Leichtigkeit und wird trotzdem schnell rot. Ach, ich liebe ihn: meinen neuen Rennschlitten! Er ist von der Sorte Ridley Liz C10. Und auch wenn ein Frauenname in ihm steckt: er ist ein echter Kerl. An der Männlichkeit von Rainer Maria Rilke hat schließlich auch keiner gezweifelt. Er ist ab sofort immer für mich da, wenn ich ihn brauche. Er steht stets parat, für mich ganz alleine. Für eine Frau, die weiß was sie will: einen guten Wettkampf hinlegen und noch eine Schippe oben drauflegen – im Vergleich zu den anderen drei Triathlons, die ich in diesem Jahr schon bestritten habe. Ich habe keine Ahnung, was das in Zahlen genau heißen soll und kann. Wird ja schließlich meine erste Mitteldistanz. Aber nachdem ich mich in den letzten vier Wochen fast immer an den Plan von meinem Trainer Johann Ackermann gehalten und meinen Schokokonsum auf eine Tafel pro Tag reduziert habe, kann doch eigentlich nichts mehr schief gehen, oder? Ich war im strömenden Regen laufen, im Spontanregen schwimmen und im Starkregen radfahren. Ich habe extrem anstrengendes Athletik-Training im Nieselregen gemacht und bin trotzdem trocken geblieben: ich habe tatsächlich kaum Alkohol getrunken. Sogar auf einer auf einer polnischen Hochzeit habe ich auf Hochprozentiges verzichtet.
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Und das, obwohl ich mich getrennt habe – von meinem alten Begleiter, dem schwergewichtigen, starken BMC Streetracer SR01. Es ist mir nicht leicht gefallen, aber der Abschied war kurz und schmerzlos. Ich habe ihn einer anderen übergeben und hoffe, dass sie ihn gut behandeln wird. Vielleicht sehe ich ihn ja ab und zu noch. Aber vielleicht ist es auch besser, wenn nicht. Ich konzentriere mich jetzt auf jeden Fall auf Sir Ridley. Und schaue nach vorne – auf die 90 Kilometer Radstrecke. Und zwar durch meine selbsttönende Sportbrille, in die ich mittlerweile auch schwer verliebt bin.

Ein gutes Team: Mein Rad, meine Brille und ich

Sie ist eine Variomatic und zwischen uns stimmte direkt die Chemie. Ihre photoaktiven Pigmente reagieren im Brillenglas auf natürliches Licht und Veränderungen zwischen Sonne und Wolken. Bei verstärkter UV-Einstrahlung und Wärme klappen die Pigmente – ähnlich wie eine Blume – auf und verfärben die Gläser dunkel. Ich finde es fast schon poetisch und romantisch! Die Aufhellung dauert etwas länger, aber so haben wir noch mehr gemeinsam. Denn meine Erleuchtung, wie ich einen Wettkampf gut über die Bühne bekomme, dauerte auch etwas länger. Und mein Regenerationsprozess nach meiner ersten Mitteldistanz wird vermutlich auch länger dauern als nach den bisherigen olympischen Distanzen. Meine Uvex und ich, wir verstehen uns eben ohne Worte. Nur Scheibenwischer könnte sie noch gebrauchen, dann würde das Fahren im Regen noch mehr Spaß machen. Aber wir sind schließlich alle nicht perfekt.

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Alles neu macht der August?

Jetzt, wo sich das Wetter schon benimmt wie im Mai, und der ja bekanntlich alles neu macht, könnte ich mir ja eigentlich auch noch einen neuen Neo und neue Laufschuhe zulegen. Aber ich muss ja nicht gleich in allen Disziplinen besser werden. Ich muss einfach nur durchkommen. Mein Intervalltraining beim Laufen mit 10×1000 m in vier Minuten und kurzen Erholungstrabs dazwischen, meine 50-Meter-Bahnen im Wettkampftempo und 3×3 km Schwimmpensum letzte Woche – das alles sollte reichen, um unter 6:30:00 Stunden oder vielleicht sogar etwas weniger die Ziellinie zu überkriechen. Ich dachte übrigens schon an eine Blazemanrolle. Aber vermutlich vergesse ich die nach soviel Anstrengung erstens eh und zweitens will ich das applaudierende Publikum ja nicht glauben lassen, ich würde im letzten Moment umkippen. Ich glaube, eine Blazemannrolle kann man sich erlauben, wenn man Erfolge vorzuweisen hat, wenn alle einen im Ziel erwarten. So würde ich höchstens die Aufmerksamkeit der Sanitäter auf mich ziehen, schätze ich.

Kein Monat mehr, dann…

Am 7. September, in weniger als einem Monat, ist es soweit. Dann heißt es beim CTW Köln „Auf die Plätze, fertig, Triathlon!“ Und ich habe ehrlich gesagt jetzt schon ganz schön Schiss. Was ist, wenn Sir Ridley vor Aufregung platzt? Also ein Schlauch. Oder ich etwas in die Speichen bekomme. Oder wenn es regnet und ich ausrutsche? Was wäre, wenn ich die 1,9 Kilometer schwimmen nicht schaffe, weil ich Krämpfe kriege, oder wenn ich beim Laufen disqualifiziert werde, weil ich eine Runde vergesse? War dann also die Investition umsonst? All das Training, all die Kohle, all der Verzicht? Ach, was rede ich da. Eine neue Liebe ist nie umsonst. Und ich komme schon irgendwie ins Ziel. Notfalls per Anhalter auf Wolke Sieben. Denn nur eins ist noch schöner, als meine neue Liebe: Finishen. Tut mir leid, Sir Ridley. I love you trotzdem.