Facebook-Fasten 1.0
Verrückt, damals habe ich mich total geweigert, Facebook beizutreten. Heute fällt es mir schwer, darauf zu verzichten. Das geht so nicht!
Eigentlich halte ich nichts vom Fasten. Ich finde man sollte immer ein gesundes Gleichgewicht von haben und nicht-haben, essen und nicht-essen, Action und Chillen beibehalten.
Aber ein Freund hat mich auf eine Idee gebracht. Er ist einen Tag vor Aschermittwoch, dem Beginn der Fastenzeit, nach Indien geflogen, für eine Ayurveda-Kur. Er hat Rückenprobleme. Und diese Kur beinhaltet nicht nur Massagen und Ölgüsse, sondern auch eine Ernährungsumstellung, in einem kleinen, privaten Haus mitten in der Pampa. Da hat man automatisch nicht soviel Kontakt zur Außenwelt. Schon gar nicht virtuell. Er hat aber eh kein Internet-fähiges Handy und er ist nicht bei Facebook. Faszinierend, oder? Fasten in doppelt- und dreifacher Ausführung.
Also habe ich mich einen Tag vor Fastenbeginn spontan mit Ayurveda auseinander gesetzt. Da geht es um die drei Energien, die wieder ins Gleichgewicht gebracht werden sollen. Mit Entspannung und frischem Essen, Kräutern und so weiter. Und da habe ich mir gedacht, jetzt so direkt nach Karneval, dass sowohl eine Entrümpelung meines Körpers, als auch die meines Kopfes toll wären. Wie oft verbringt man abends beim Essen oder neben dem Fernsehprogramm noch online, um am Ende festzustellen, dass man nichts Weltbewegendes dazu gelernt hat?
Ich finde, das ist Zeitverschwendung. Sobald man „nichts zu tun hat“, geht man online. Dabei könnte man in der Zeit doch viel sinnvollere Sachen machen. Endlich mal weiter Portugiesisch lernen, einfach mal die Seele baumeln lassen, lesen. Vielleicht einfach mal wieder kreativ werden, als vor dem Kasten zu hocken und Löcher in das world wide web zu starren…
Ich habe die Idee, Facebook zu fasten, einfach mal auf der Arbeit in den Raum gerufen. Die Reaktionen waren verhalten. „Wozu?“ und „Das ist aber schwer!“ waren der Tenor. Dann habe ich die Idee – natürlich – bei Facebook gepostet. „Facebook-Fasten. Wer macht mit?“ Ruck zuck haben mehrere Leute meinen Status geliked und kommentiert. „Du wirst viel Zeit für Dich haben, Hase“ und „Bevor Du das schaffst, gefriert die Hölle“. Das nenne ich mal einen guten Grund. Schlittschuh fahren mit dem Teufel – so meine Antwort. Tolle Vorstellung. Dann habe ich noch geschrieben, dass ich es nur mache, wenn JEMAND mitmacht, NIEMAND böse ist, falls ich mal einen Geburtstag vergesse und ALLE, mit denen ich wirklich kommunizieren muss, meine Handynummer haben. Da war die Sache aber immer noch nicht wirklich ernst gemeint…
Abends zu Hause war ich dann vor, beim und nach dem Essen immer wieder mal online. Und habe festgestellt, dass ich nichts verpasse, nichts lese, was mein Leben verändert und auch vieles einfach nur wegscrolle. Wieso also permanent gucken, was eigentlich eh nicht interessiert. Klar ist Facebook oft toll – man bekommt mit, was die eigenen Freunde so machen, was sie interessiert und welches YouTube-Video sie gerade gut finden. Aber was hab ich davon, außer dass meine Zeit vergeht? Gegen 23 Uhr auf dem Weg ins Bett hab ich dann gedacht, ich entscheide mich einfach Aschermittwoch Morgen. Das sollte reichen. Aber dann ist mir aufgefallen, dass ich, wenn ich mich dann wirklich entscheide, das durchzuziehen, wenigstens noch einige Funktionen beschränken sollte. Also habe ich eingestellt, dass niemand mehr auf meine Pinnwand posten kann (so komme ich nicht in Verlegenheit online zu müssen, um eventuell was zu löschen), habe noch ein paar Kleinigkeiten zu Kommentierungsmaßnahmen geändert und habe dann ruhigen Gewissens den Rechner ausgemacht.
Aschermittwoch. Tag 1 ohne Facebook.
Heute früh hab ich meinen Wecker dreimal auf Snooze gestellt. Da war die Zeit am Ende so knapp, dass ich eh nicht mehr hätte online gehen können. Viel schwerer war, dass ich neben Facebook auch auf Kaffee, Schokolade und Alkohol verzichten möchte (bis auf eine Ausnahme Anfang März, da muss ich einen Cocktail mittrinken, pure Tradition). Heute Morgen gab´s also keinen Kaffee und kein Facebook. Und siehe da, ich habe meinen Müll runter gebracht, noch schnell die Arbeitsplatte in der Küche geputzt und in Ruhe einen Tee getrunken. Einfach nur mit mir alleine.
Auf der Arbeit habe ich, statt ab und zu mal in die Welt zu gucken, angefangen, alte Unterlagen durchzuarbeiten, zu lesen, mich auf den neuesten Stand der Dinge zu bringen. Und schwupp klingelt mein Handy. You FM. Eine alte Arbeitskollegin hat bei Facebook gesehen, dass ich Facebook fasten will. Telefoninterview. Jetzt bin ich natürlich noch motivierter. Mal gucken, was passiert. Tag 1 von 40. Alter Schwede…

