Noch 1,195 Tage

MORGEN IST ES SOWEIT!!! Morgen fällt der Startschuss für den Köln-Marathon und ich werde verrückt vor Freude!

Ich bin orange
Ich bin orange

Schon gestern war der große Tag so nah. Erstens war ich den ersten, ganzen Tag nach dem Juist-Kurztrip wieder in Köln und zweitens ist Köln schon in absoluter Vorbereitung. Als ich mit dem Fahrrad zur Physiotherapie gefahren bin, habe ich auf ein paar Grünstreifen und an diversen Straßenrändern schon die bereit gestellten Absperrungen gesehen. Fein säuberlich aufgestellt warten sie seelenruhig und rot-weiß-gestreift darauf, an ihren vorgesehenen Platz zu wandern und tausende von Marathonis an sich vorbei schleusen zu können. Einer davon werde ich sein.

Rot-weiß und startklar
Straßensperren sind schon startklar

Meine Physiotherapeutin hat mich übrigens gelobt. Mein verspannter Rücken ist gar nicht mehr so ein übler Klotz, nur meine Halswirbelsäule ist noch etwas zubetoniert. Deshalb hat sie mich heute mit so blauen Tapes tapeziert. Lustig, wie die Leute einen mit so einem seltsamen Hautschmuck angucken.

Tape im Nacken
Tape im Nacken

Zumindest auf der Straße. Auf der Marathon Expo in der Köln Messe kam ich mir nicht mehr so komisch vor. Sportler kennen die Tapes einfach schon vom Sehen oder Selbsttragen. In den Messehallen habe ich also eher eine Art Mitleid geerntet. „Die Arme, muss mit Schmerzen laufen“. Manche Blicke gingen auch in Richtung „Das muss ja auch nicht sein, mit körperlichen Beschwerden zu laufen“. Aber Freunde, ich laufe. Im orangenen Block.

Alles schon bereit
Alles schon bereit

Und die Blicke habe ich eh schnell ignoriert. Ich war nämlich völlig Shopping-fixiert. Im Wahn. Wie gemein das aber auch ist. Da stellen die 12.000 Läufern einfach unendlich viele Stände mit Laufbekleidung von Shirts über Mützen und Kompressionsstrümpfen, Zubehör wie Trinkgurte, Sporttaschen und Sonnenbrillen und Nahrungsergänzungsmitteln hin. Ist doch klar, dass wir dort alle einkaufen wie bekloppt, oder?

Und wir mussten sogar an den Ständen vorbei. Denn erst ganz am Ende, in der zweiten Etage, ist die Abholung der Startunterlagen. Ich buchstabiere: S-T-A-R-T-U-N-T-E-R-L-A-G-E-N! Ich habe endlich mein persönliches Nummernschild. F2949. Ist es nicht wunderschön?

Ich mag meine Startnummer
Ich mag meine Startnummer

Ich hoffe, mein Name ist groß genug geschrieben, damit mich auch ja alle anfeuern können am Straßenrand. Auch die, die mich nicht kennen. Nur bitte nicht singen! Keine Kostproben von Costa Cordalis, bitte. Einfach nur rufen reicht! Sonst muss ich mir doch meine Musik auf die Ohren machen. Meine Playlist ist auch schon fertig. Nadine hat mir ihren mp3-Player ausgeliehen. Der spielt alle Alben in der unendlich-Schleife. So muss ich nur einmal auf Play drücken und kann mich dann auf die Strecke, statt auf kleine Knöpfe konzentrieren, die ich bei der vorhergesagten Sonne eh nicht sehen kann.

In der Starter-Tüte waren auch noch ein Kölsch-Glas als Sonderedition mit der schematischen Streckenführung auf der Vorderseite. Dazu gab´s kühlende Salbe und ein Schlüsselschweißband sowie zahlreiches Infomaterial. Aber mittlerweile bin ich ganz gut informiert. Und meine Leute auch. Ein paar Telefonate werde ich heute wohl noch führen, aber mittlerweile wissen eigentlich alle, wo wir uns wie treffen wollen und wann ich in etwa plane, wo zu sein.

Wenn denn alles so klappt, wie ich es mir vorstelle. So ein Marathon ist ja auch ein bisschen wie ein Glücksspiel. Zumindest beim ersten Mal. Da weiß man halt nicht, wieviel Zeit ein kurzer Ausflug Richtung Dixi dauert, wieviel Zeit das Trinken in Anspruch nimmt und wann man wirklich sein eigenes Tempo laufen kann, anstatt nur in einer riesen Traube mitzulaufen, die einen völlig aus dem Konzept bringt. Dazu kommen die ja nahezu tropischen Temperaturen, die für morgen angesagt sind. 24 Grad – am 2.Oktober! Wer hätte das gedacht? Ich denke, ich werde meine Helfer am Straßenrand mit zusätzlichen Getränken ausstatten, die sie mir reichen können. Sie selbst sind ja bestens versorgt, dank der vielen Kölsch-Stände in der ganzen Stadt. Außerdem muss ich immernoch ein wenig Zeitverlust wegen meiner blöden Schwindelgeschichten einplanen. Ich war auf Juist zwar annähernd schwindelfrei, aber kaum bin ich heute morgen in Köln aufgewacht, hat sich wieder alles gedreht. Nur kurz. Aber heftig. Vielleicht hat es ja doch was mit unterbewusstem Druck, mit Stress, mit Aufregung zu tun. Vielleicht war´s das Training. Man weiß es nicht. Ich bin sehr gespannt auf meine Self-Feldstudie in der Woche nach dem Marathon.

Übrigens – nach dem Marathon ist zwar bei mir nicht vor dem Marathon. Aber natürlich werde ich trotzdem weiter Sport machen. Und ich habe vor kurzem etwas entdeckt, das mir die dunkle Herbst-Winterzeit versüßen wird. Ich habe gestern nämlich noch ein bisschen Kräftigungs- und Stabitraining gemacht, mit einer speziell konzipierten Matte namens Flowin. Einmal habe ich die Matte auch schon ausprobiert. Und zwar in Hilden, als Flowin-Trainer Arnd Storkebaum einen Schnupperkurs angeboten hat. Ich habe davon erfahren, mich erkundigt und durfte mitmachen. Und ich muss sagen, ich war fasziniert, wie sehr eine Matte mit ein paar Pads einen so fertig machen kann. Ich hatte drei Tage Muskelkater, habe mich aber irgendwie direkt anders gefühlt. Besser, aufrechter, stärker. Tolles Gefühl.

Im Prinzip macht man auf der Matte mit Hilfe der speziellen Fuß-, Hand- und Kniepads verschiedene, fließende Bewegungen, am besten aufeinanderfolgend, damit man wirklich in den Flow kommt. Es geht um Flißebewegungen, bei denen die Muskeln die ganze Zeit angespannt sind und statisch arbeiten.

Das spricht dann nicht, wie beim normalen Krafttraining, nur die äußersten Muskelschichten an, sondern auch die tiefer liegenden Bereiche. So kann man zum Beispiel die Oberschenkelmuskulatur stärken und den gesamten Muskel trainieren, um 100 Prozent der Beinkraft zum Beispiel beim Marathon ausnutzen zu können, ohne dass man aufgepumpt aussieht und übermäßig an Volumen zunimmt. Der Muskel ermüdet also nicht mehr so schnell, weil er auf mehr Masse an Muskelfasern zugreifen kann.

 

Meine Beine sind also bestens vorbereitet. Und ich werde sie nach dem Marathon weiter mit Flowin verwöhnen, um in Zukunft vielleicht noch etwas mehr Beintiefenkraft für´s Kitesurfen und Kitelandboarden aufzubauen. Außerdem ist Flowin auch perfekt für einen starken Rücken, einen schönen Bauch und einen kräftigen Schultergürtel. Alles Dinge, die wichtig sind für eine aufrechte Haltung, Kraft in der Körpermitte und gut gegen einen verspannten Nacken, weil die Übungen den typischen Alltagsbewegungen entgegenwirken, die wir am Schreibtisch, beim Autofahren, Kochen und Kinderwickeln machen. Hier gilt „Schultern nach hinten, tief und Nase hoch“.

Ganzkörpertraining für Zuhause
Ganzkörpertraining für Zuhause

Um meine Beine für morgen schön geschmeidig zu halten, werde ich gleich noch eine kleine Runde durch den Park traben. Fünf Kilometerchen, ganz relaxt und nur, um nochmal einen aktuellen Temperatur-Check zu machen und meine Beine auf die Uhrzeit einzustellen. Und dann kommen auch schon meine Eltern. Wir gehen später noch eine Runde spazieren, wollen heute Abend lecker Pasta essen und nochmal Energie tanken und dann bricht die letzte Nacht vor dem großen Tag an. Ich werde später natürlich auch noch ein tausendstes Mal meine Tasche checken, ob alles, was ich mitnehmen will, auch wirklich drin ist. Meine Klamotten rauslegen und dann einfach nur noch versuchen ruhig zu bleiben. Ja, ich denke es kann losgehen. Puh, joa, doch, langsam will ich los. Ich will endlich erleben, wie es ist, einen Marathon zu laufen. Und ich will´s auch ein bisschen einfach hinter mir haben. Ich will, dass jetzt morgen ist. Ich hoffe, dass ich halbwegs gut schlafen kann heute Abend. Mehr als gut essen und gut schlafen kann ich jetzt nämlich nicht mehr machen. Das Training ist abgeschlossen. Eine wirklich intensive Zeit ist rum und bekommt morgen hoffentlich ihr Krönchen aufgesetzt. Der Weg ist das Ziel. Die 42,195 sind das Ziel. Und doch geht es los mit dem ersten Schritt und dem ersten Meter.

Mein erster Marathon. Morgen ist es soweit!